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Maruša Sagadin

*1978 Ljublana, Slowenien
Lebt und arbeitet in Wien, Österreich

B-Girls, Go!, 2018



Maruša Sagadin hat Architektur in Graz und Bildhauerei in Wien studiert. In ihren Werken verbindet die Künstlerin beide Bereiche ihres Studiums, indem sie architektonische Ideen in dreidimensionale Bildwerke übersetzt, die wiederum häufig einen Kommentar zu den sozialen und urbanistischen Aspekten der Architektur darstellen. Sagadin beschäftigen die Fragen danach, wer welche Arten von Bauten und Stadtgestaltungen in Auftrag gibt und für wen, wie und wo gebaut wird. Ihr ist es wichtig, durch ihre künstlerischen Untersuchungen zu Gender, Sprache und Kultur mit den tradierten Normen der Architektur zu brechen. Dafür verändert sie Alltagsobjekte wie beispielsweise die in Bingen zu sehende Baseballkappe, die sie um ein Vielfaches vergrößert und somit ihrer eigentlichen Nutzung entzieht. Zudem wählt sie meist Farbkombinationen, die am „normativen ‚guten‘ Geschmack vorbeigehen“, so die Künstlerin. Ein weiteres Verfremden findet statt, indem Sagadin vor allem dann, wenn sie mit Holz arbeitet, eine dicke Farbschicht aufträgt, die das darunter liegende Material zum Verschwinden bringt; eine Strategie, die wie eine Art Make-Up verstanden werden kann.

In ihren Werken bezieht sich Sagadin oft auf Erscheinungsformen der Jugend- und Untergrundkultur, die sie dem Betrachter durch Anspielungen und Verfremdungen vermittelt – so auch mit der überdimensionierten Baseballkappe des Werkes „B-Girls, Go!“. Das klassischerweise eher männlich wahrgenommene Kleidungsstück ist ein typisches Element der Hip-Hop-Kultur, auch wenn es heute ein verbreitetes Accessoire der Freizeitmode oder sogar Teil von Dienstkleidung ist. Der Titel „B-Girls, Go!“ bezieht sich auf die sogenannten „B-Boys“. Hierbei handelt es sich um Breakdancer, die meist im öffentlichen Raum auftreten, ohne dass dieser speziell dafür vorgesehen ist. Die Kultur der „B-Boys“ entstand ab 1970 in den New Yorker Ghettos gemeinsam mit Rap und Graffiti als Teil des Hip-Hops und wurde vor allem im afroamerikanischen Umfeld entwickelt.

Auch wenn die Hip-Hop-Kultur über eine besondere Offenheit für verschiedene auf Grund von Ethnie und Armut diskriminierte Bevölkerungsgruppen verfügt, ist Hip-Hop und Breakdance wie auch Skateboarding zugleich traditionell stark männlich konnotiert. Frauen und Mädchen wurde historisch eine marginale soziale Rolle als sexualisiertes Beiwerk zur Inszenierung der männlichen Akteure zugewiesen. Dies ändert sich, seit sich diese als Gegenbewegungen formieren und ihren Platz in einem männlich dominierten Kontext einfordern. Sagadin ruft die jungen Frauen nicht nur durch den Titel der Arbeit dazu auf, sich ihren Raum – im Sinne eines weiblichen Empowerments – zu erobern, sondern stellt ihnen diesen mit der violetten Bodenplatte und der pinken Kappe auch visuell offensiv zur Verfügung. Damit ist „B-Girls, Go!“ auch ein emphatisches Plädoyer für einen Pluralismus in der Besetzung des öffentlichen Raums. Stadt- und auch Verkehrsplanung sind lange aus der Perspektive von meist männlichen, weißen Entscheidern heraus entwickelt worden; wenig beachtet wurden die Bedürfnisse von ethnischen Minderheiten, Frauen, Kindern und alten Menschen. So, wie sich die Hip-Hopper ihren Raum gegenüber einer weißen amerikanischen Mehrheitsgesellschaft erobert haben, fordert Sagadin durch ihre Kunstwerke eine inklusive Form der Architektur und des Städtebau ein, die alle Akteure der Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen im Blick hat.

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